Technologie-Stillstand bei Websites?

Es ist nicht das erste mal, dass mich der Gedanke packt, aber es ist diesmal stark genug, einen kleinen Artikel zu schreiben um den Gedanken Raum und Luft zu verschaffen.

Die Theorie: Der Fortschritt und die Technologie im Webbereich schreitet nach wie vor sehr sehr schnell voran. In meinen Augen sogar ein wenig schneller als früher.

Der (Trug)-Schluss: Damit müssten Websites doch deutlich zulegen an:

a) Qualität
b) Performance
c) Niedrigen Kosten

Was jedoch so zu meinen Ohren durchdringt sagt etwas ganz anderes. Die Kosten sinken allerdings, ja – aber Qualität und Performance? Ich hab fast im Gefühl es wird schlimmer.

Aber warum?

Jeder kann…

Ich denke das ist mit der Hauptgrund. Websites kann ja irgendwie „doch jeder“ erstellen. Insbesondere mit den CMS-Mitteln, die einem Heutzutage gegeben sind. Entsprechendes Paket herunterladen oder direkt einen Anbieter suchen wo es vorinstalliert ist, ein schönes Template auswählen und *klick klick* schon steht die Website.

Für die 0815-Sites ist das soweit auch kein Problem, aber sobald man dann doch einen etwas anspruchsvolleren Kunden hat oder etwas mehr möchte….

…fängt es an mit den Problemen… Gute Templates/Plugins von schlechten unterscheiden, dafür müsste man den Code ansehen. Das kostet Zeit, Zeit kostet Geld, also fällt es unter den Tisch. „Das schaut gut aus und hat eine gute Bewertung?“ Also installieren.

Als nächstes folgen dann die Anpassungswünsche… Und schon sieht man, ob das gewählte Template und die Plugins der Sache gewachsen sind. Falls nicht kann man versuchen mit grässlichen Hacks die Situation zu überbrücken oder weitere Plugins nach zu ziehen. Hier wird es dann schon leicht unangenehm, aber irgendwie ist es vielleicht noch handlebar.

Ist der Code noch schön? Nein… Hat man noch einen Überblick über die Plugins? Nein…

Und dann kommen die Bugs… „Auf meinem Iphone 4s stürzt der Browser ab“. Was liegt einem auf der Zunge? „Who cares?“. Aber wenn dann der Kunde der Iphone 4s Besitzer ist, hilft einem das auch nicht.

Also nun doch in den Template Code einwühlen, versuchen ihn zu verstehen, im Detail analysieren. Und feststellen: Keine Ahnung wie oder was genau da gemacht wird. Teilweise sind nicht einmal die sauberen SASS/LESS-Sourcen mitgeliefert sondern nur das resultierende Css.

Stillstand?

Teilweise habe ich im Gefühl, dass Websites ihren Höhepunkt weeeeeit hinter sich haben. Früher wollte jeder eine, es gab tausende Entwickler, die sich an verschiedenen Plugins und Features bemüht haben, es war ein gewisses Interesse und Budget vorhanden.

Heute? Gefühlt sind die meisten Plugins / Anleitungen uralt und nicht mehr Zeitgemäss. „Jquery Plugin XY“… Jquery selbst ist schon nicht mehr Zeitgemäss wenn man mich fragt.

Wenn man sich sogar noch einen Schritt weiter wagt und einmal den Code der ganzen Plugins anschaut *brrr* da kommt einem das Grauen. Oft sind die Plugins seit *Jahren* nicht mehr weiterentwickelt oder immernoch auf einem technologisch völlig veralteten Stand.

HTML5, CSS3, modernes JavaScript, Canvas, WebGL, etc. Wir haben mittlerweile *sooo* viele Möglichkeiten, aber es nutzt keiner. Die guten Entwickler tummeln sich in „anderen Gewässern“ und verfolgen anspruchsvollere Ziele, die schlechten Kreigen es nicht hin.

Finanziell rentiert es ohnehin nicht, und es gibt eben haufenweise Konkurrenz von uralt-plugins, die „in etwa das selbe“ machen.

Der Preis…

Ich glaub letztendlich ist tatsächlich der Dreh- und Angelpunkt. Websites sind zu billig geworden. Also können sie auch nur noch „billig“ produziert werden. Und das merkt man dann zwangsläufig an der Qualität. Kaum ein Kunde versteht, warum eine Website das 3-4-fache von den „0815“-Sites kostet, die man sich sogar selber zusammenklicken kann.

Ob das nun schlecht ist, oder nicht ist wieder die andere Frage. Interessiert es mich als User wirklich, ob die Website technisch gut / schlecht programmiert ist? Oder geht es mir nicht viel mehr doch um die Inhalte auf der Site?

Fakt ist: Gute Entwickler sind mehr gefragt denn je, die geforderten Kenntnisse steigen ebenfalls jedes Jahr. Das bedeutet ganz klar, dass trotz technologischem Fortschritt und trotz „Billig-Konkurrenz“ alles wo ein Programmierer „Hand anlegen“ und „Code schreiben muss“ Geld kostet. Und zwar im Verhältnis für die Entwicklerstunde mehr Geld als früher. Aber das versteht niemand…

Und wie gesagt: vielleicht braucht auch nicht jeder die non-plus-ultra-custom-code Website. Aber dann darf man eben dies auch nicht erwarten, wenn man eine „Standard-Page“ bucht.

Was mich persönlich einfach wurmt: Die Ansprüche steigen bei gleichzeitigem Preisabfall und Qualitätsabfall. Und es wäre heute technisch soooo verdammt viel mehr möglich!

 

 

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